
Dienstag, 5. April 2022, 19.30 – 21 Uhr: Beim Frühjahrstreffen kamen drei junge Aktive aus AKF-Mitgliedsorganisationen schnell mit den weiteren Teilnehmenden in ein spannendes Gespräch.
Bilder vom Frühjahrstreffen 2022 gibt es im Album!
An diesem Abend drehte sich alles um die jüngeren Frauen. Wie haben sich Ausbildung, Studium, Erwerbsarbeit unter Corona-Bedingungen gestaltet? Wie war es, nicht feiern gehen zu können, sich nicht mehr auf eingespielte Kinderbetreuungsregelungen verlassen zu können?
Junge Aktive aus AKF-Mitgliedsorganisationen berichteten aus ihrem Leben, was sie brauchen, was sie sich wünschen, was zu tun ist. Professionell und kompetent moderiert von der Journalistin Franziska Hilfenhaus, www.kooperativew.de, kamen sie sehr schnell miteinander und den Anwesenden ins Gespräch. In der ersten Runde waren dabei:
- Lisa Schrade-Grytsenko, BPW Germany e.V., Club Köln
- Dr. Kathrin Schnaufer, FrauenForum KölnAgenda
- Anna-Lena Engemann, DGB-Frauen Köln: IG Metall
Im Austausch wurden Vor- und Nachteile des virtuellen Arbeitens und Vernetzens thematisiert, das Für und Wider bei der Quote, Gründe für die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit und was dagegen getan werden kann. Hier ein paar Auszüge:
Kathrin: Plötzlich gab es keinen Austausch mit Mitstudierenden mehr, aber neue Chancen durch neue Möglichkeiten virtueller Zusammenkünfte über große Distanzen hinweg.
Anna-Lena: Durch den Stillstand gab es das Gefühl viel zu verpassen, dass die Jugend vorzeitig vorbei sei, obwohl die Erwerbsarbeit in Präsenz weiter ging.
Lisa: Der Digitalisierungsschub durch Corona hat meine akademische Weiterentwicklung ermöglicht.
Die Erwerbsarbeit im Homeoffice hat die Bedeutung von beruflichen Vernetzungen bewusster gemacht. Sie ergaben sich nicht mehr quasi von selbst am Arbeitsplatz. Nun musste aktiv auf digitalem Wege für Sichtbarkeit gesorgt werden.
In den letzten Jahren ist für alle ein großer Sorgenblock dazugekommen (höherer Mental Load), besonders die Frage der Kinderbetreuung landete leider immer noch wie selbstverständlich bei den Frauen.
Christine: Drei Monate Lockdown inkl. gesperrte Spielplätze waren eine schreckliche, schreckliche Zeit.
Mira: Zwar beteiligt sich der Partner aktiv an der familiären Care-Arbeit, aber das eigenständige Mitdenken war zunächst noch ungeübt.
Lisa: Die hauptverdienende Person ist immer noch oft männlich, was vielfach ein Argument für ungleiche Verteilung der Sorgearbeit ist.
Juliane: Durch Corona hat das Sorgethema mehr Sichtbarkeit bekommen. Die ungleiche Verteilung hat strukturelle und kulturelle Ursachen. Ein strukturelles Thema ist z.B., wenn die Kita um 15 Uhr schließt. Kulturelle Themen sind z.B., wenn Frauen in der Elternzeit überhaupt nicht mehr nach beruflichen Themen gefragt werden oder dass es standardmäßig die Mütter sind, die angerufen werden, wenn es ein Problem mit dem betreuten Kind gibt.
Christa: Im Vergleich zu den 70er / 80er Jahren gibt es einen Rückschritt: War es damals selbstverständlicher mit Kindern (+ Kita + Tagesmutter) weiter zu arbeiten, gibt es heute oft auch den Wunsch, sich mehr auf das Kind / die Kinder und sich selbst zu konzentrieren.
Franziska: Dazu passt, dass für heutige jüngere Generationen das Work-Life-Balance-Thema grundsätzlich große Bedeutung hat.
Eliana: Bis zur Wende war eine funktionierende öffentliche Kinderbetreuung in der DDR eine Selbstverständlichkeit. Bis heute gibt es in den neuen Bundesländern Kitas mit Öffnungszeiten von 6 – 18 Uhr und ohne Schließungen in den Ferien.
Christa: Es ist wichtig, dass Mütter von sich aus die Väter voll einbeziehen und das innerhalb der Partnerschaft auch schon im Vorfeld so vereinbaren.
Franziska: In der DDR gab es ja die Ausrichtung, dass Frauen dem Arbeitsmarkt grundsätzlich Vollzeit zur Verfügung stehen sollten.
Heutige junge Leute stellen den Beruf nicht mehr so an die erste Stelle, oder?
Wäre eine 32-Std.- oder 4-Tage-Woche eine Möglichkeit für mehr Gerechtigkeit?
Eliana: Ja sicher, aber es ist auch eine Frage der Anerkennung: Die Anerkennung für Erwerbsarbeit ist immer noch sehr viel höher als für unbezahlte (Sorge-)Arbeit.
Lisa: Es ist notwendig das Thema ständig zu problematisieren, darüber zu reden. Damit sich Rollenbilder verändern, muss dazu beruflich, privat und öffentlich immer wieder in den Austausch gegangen werden.
Kathrin: Viele Frauen, auch hochqualifizierte und Führungsfrauen, verschwinden leise aus dem jeweiligen Erwerbsarbeitsumfeld, wenn sie Kinder bekommen. Es sollte im Erwerbsarbeitskontext viel mehr mit ihnen darüber gesprochen werden.
Anna-Lena: Außerdem gibt es immer noch zu wenige weibliche Führungskräfte und nicht alle kümmern sich dann auch darum, Frauen nach zu ziehen. Und eine Frauenquote wird auch nicht von allen Frauen gutgeheißen, Stichwort ‚Quotenfrau‘.
Lisa: Aus systemischer Sicht ist eine Quote eine Maßnahme zur Erreichung eines gewünschten Zustandes. Wenn die Quote bewirken würde, dass Frauen ohne geeignete Qualifikation an ihre Posten kämen, würde der jetzige Zustand bedeuten, dass Frauen nicht qualifiziert seien.
Christa: Stellen werden ja vielfach über Beziehungen besetzt. Dem wirken Quoten entgegen.
Alexandra: Die toxische Annahme, es gäbe keinen Handlungsbedarf mehr in Sachen Gleichstellung, ist leider noch weit verbreitet.
Dies war die Einladung: Wie leben und was wünschen junge Frauen_05.04.2022 (pdf-Datei, 206 KB)
Veranstaltet in Kooperation mit der Melanchthon-Akademie Köln, www.melanchthon-akademie.de.